Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde

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Inhalt: Ausblick

Das Schiffshebewerk Niederfinow dient nunmehr seit über 70 Jahren dem Schiffsverkehr. Es begann im 16-Stunden-Betrieb und musste am 1. Mai 1994 infolge langer Wartezeiten der Schiffe wegen sehr hohem Verkehrsaufkommen in den 24-Stunden-Betrieb übergehen. Auf ihm passierten 1995 3,3 Mio. t Güter das Hebewerk. Dies entspricht bei rund 2 Mio. t Güter pro Jahr in den 80ern einer Steigerung um rund 50%. Damit der Weg auch zukünftig seine Bedeutung als umweltschonende und zugleich kostengünstige Transportmöglichkeit behält, muss er den sich ändernden Anforderungen angepasst werden. Dies sind eine weitere Steigerung der Transportmenge und die zunehmende Größe der Schiffsgefäße.

Für die Zukunft wird der Gütertransport über das Hebewerk auf 5 bis 10 Mio. t geschätzt. Diese Güter sollen auf bis zu 110 m langen und 11,4 m breiten Schiffen sowie bis zu 135 m langen Schubverbänden transportiert werden. Für diese Mengen und diese Schiffe sind ein weiteres Abstiegsbauwerk und der Ausbau von Teilstrecken der Havel-Oder-Wasserstraße notwendig. Die heutigen Abmessungen des Wasserweges wurden durch den Bau der Jahre 1906 bis 1914 festgelegt. Bei 3 m Wassertiefe erhielt er eine Wasserspiegelbreite zwischen 33 m und 44 m. Grundlage für die damaligen Planungen war der Begegnungsverkehr von Schleppzügen. Die größten Kähne hatten eine Länge von 67 m und eine Breite von 8,2 m; 1,75 m tief im Wasser eingetaucht hatten sie rund 600 t geladen.

Nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einem tiefgreifenden Strukturwandel innerhalb der Binnenschifffahrt. Die bis dahin vorherrschenden langsam fahrenden Schleppzüge wurden durch schnellfahrende Motorgüterschiffe und Schubverbände abgelöst. Als größte Einheiten verkehren heute 80 m lange, 9,5 m breite und 1,70 m tief abgeladene Motorgüterschiffe mit bis zu 700 t sowie 135 m lange und bis zu 2,00 m tief abgeladene Schubverbände mit bis zu 1.200 t Ladung an Bord. Größere Abmessungen sind grundsätzlich nicht möglich. Diese Fahrzeuge erzeugen in den engen Kanalquerschnitten mit ihrer Wasserverdrängung so hohe Rückstromgeschwindigkeiten, dass die Schutzschichten auf Böschung und Sohle den Belastungen auf Dauer nicht standhalten. Insbesondere in der rund 23 km langen Dichtungsstrecke östlich des Schiffshebewerkes kam es zu schweren Schäden. Um die Dichtung nicht zu zerstören, wurde Mitte der 80er Jahre die Schutzschicht verstärkt und ein Richtungsverkehr eingerichtet. Die Verstärkung verringerte die Wassertiefe auf 2,8 m.

Durch den Richtungsverkehr wird erreicht, dass sich in der Dichtungsstrecke keine Schiffe begegnen. Die Schiffe passieren die Richtungsstrecke im Konvoi. Alle vier Stunden erreicht ein aus Richtung Berlin kommender Konvoi das Hebewerk.Anschließend fährt der nächste in Gegenrichtung los. Durch diese Regelung entstehen der Schifffahrt erhebliche Wartezeitkosten. Bei knapp 10.000 Schiffen im Jahr und 12 Arbeitsstunden am Tag addieren sich die einzelnen Wartezeiten in einem Jahr für die gesamte Schiff-Fahrt auf der Havel-Oder-Wasserstraße theoretisch auf mehrere Tausend Betriebstage.

Damit die heutigen und die zukünftigen Schiffe sicher, leicht und wirtschaftlich verkehren können, ist der Ausbau dieses Wasserweges in den vordringlichen Bedarf der Bundesverkehrswegepläne 1992/2003 eingestellt. Die notwendige Wasserspiegelbreite von 55 m bei geböschten bzw. 42 m bei senkrechten Ufern entspricht dem Regelprofil für die europäische Wasserstraßenklasse Va. Die Havel-Oder-Wasserstraße wird aber auch zukünftig, grundsätzlich, 3 m tief sein. Damit ist eine Abladetiefe von 2,2 m möglich. Durch die Erhöhung der Abladetiefe wird die Wirtschaftlichkeit der heute verkehrenden Motorgüterschiffe wesentlich verbessert. Die in der DDR entwickelten rund 80 m langen Binnenschiffe können nach Ausbau ohne Mehraufwand über 300 t bzw. rund 55 % mehr an Ladung transportieren.

Die Havel-Oder-Wasserstraße wird in aufeinander aufbauenden Vorhaben ausgebaut werden. Mit der Umsetzung eines jeden Vorhabens wird die Sicherheit sowie die Leistungsfähigkeit des Wasserweges deutlich verbessert. Die beiden wichtigsten Vorhaben sind der Ausbau und die Sanierung der Strecke zwischen Lehnitz und Niederfinow und der Bau eines weiteren Abstiegsbauwerkes in Niederfinow. Durch den Streckenausbau wird erreicht, dass die Abladetiefe der Motorgüterschiffe auf mindestens 2 m erhöht werden kann und dass der im Jahr 2010 erwartete Verkehr ohne Wartezeiten frei fahren kann. Nach der Fertigstellung des neuen Abstiegsbauwerkes können bis zu 110 m lange Schiffe die Havel-Oder-Wasserstraße durchgängig befahren; Reparaturen am alten Schiffshebewerk führen nicht mehr wie heute zu einer sechs bis acht Wochen langen Unterbrechung des Verkehrs und der zukünftig zu erwartende Verkehr kann sicher abgewickelt werden.

Der 1906 bis 1914 gebaute Wasserweg passt sich heute hervorragend in die Umwelt ein. Dieses wird durch zahlreiche Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete, durch die er verläuft, deutlich. Damit diese umweltgerechte Form des Wasserweges erhalten bleibt, wird für jedes Vorhaben eine eigene Umweltverträglichkeitsprüfung vorgenommen. Für diese Prüfungen werden entsprechende Umweltverträglichkeitsuntersuchungen durchgeführt. Diese Untersuchungen sind die Grundlage für die Art und Weise, in welcher der Wasserweg gestaltet werden wird.

Zum Beispiel wurden daraus folgende Planungsgrundsätze abgeleitet:

Die Entscheidung, auf welcher Seite die Wasserstraße ausgebaut wird, ergibt sich im wesentlichen aus den Ergebnissen der Umweltverträglichkeitsuntersuchung. Die umfangreiche Berücksichtigung der Belange der Natur und Landschaft lassen auf eine zügige Umsetzung der einzelnen Vorhaben hoffen. Die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf der Havel-Oder-Wasserstraße würde erheblich insbesondere zur Entlastung der Straßen beitragen, weil die Binnenschifffahrt Transporte aller Art ökonomischer und umweltschonender durchführen kann als jedes andere Transportmittel.

Aktuelle Informationen zum Stand der einzelnen Ausbauvorhaben finden Sie in unseren Presseinformationen.